new filmkritik


Mittwoch, Januar 10, 2007

Emmy, the donkey, Fred, Johnnie, Dallas, our Room, Guion, Texas, 2.3.1900

Gabriele Münter ist 21 als sie 1898 gemeinsam mit ihrer Schwester Emmy zu einer großen Amerika-Reise aufbricht, um ausgewanderte Verwandte zu besuchen. New York, St. Louis, Moorefield und texanische Städte wie Marshall, Fort Worth, Plainview, Lubbock, Abilene und Guion sind die Stationen. Die für diese Route ursächliche Familiengeschichte ist komplizierter als die der Tenenbaums und führt zu privaten Amerika-Bildern, die zeitgeschichtlich kaum vielfältiger gesättigt sein könnten. Münters Vater stammte aus Herford/Westfalen, die Mutter aus der fränkisch-hessischen Provinz. Er war 1847 von seinem Vater, einem königlichen Beamten, wegen seiner Parteinahme für die revolutionären Kräfte des Vormärz auf ein Schiff nach Amerika verfrachtet worden; sie, geborene Scheuber und einer Schreinerfamilie entstammend, hatte bereits ihre Kindheit dort verbracht. Die beiden heiraten 1857 in Savannah/Tennessee, bevor sie 1864 nach Deutschland zurückkehren, zuerst nach Berlin, wo der Vater eine Zahnarztpraxis eröffnet und die Kinder geboren werden, dann nach Herford. Weite Zweige der Familie waren in Amerika geblieben, buchstäblich Cowboys geworden. 1898, vier Jahre bevor Gabriele Münter Kandinskys Schülerin und Geliebte wird, bekommt sie eine Bull's Eye Boxkamera von Eastman Kodak geschenkt. Dieser frühen Kompaktkamera (war der Rollfilm verschossen, schickte man den ganzen Apparat an die Eastman Dry Plate and Film Company und bekam - "You press the button, we do the rest" - die entwickelten Fotos und eine neu geladene Kamera zurück) verdankt eine großartige Ausstellung im Lenbachhaus Bilder wie aus einem mythologisch verschobenen Early-Cinema-Western, der sich schon wieder fremd geworden ist.



Comments: Kommentar posten