new filmkritik


Freitag, August 19, 2005
Rund ums Fernsehen, Garmisch-Partenkirchen, Olympiade und Skispringen

Umzug ins Mehrfamilienhaus mit Lüftlmalerei nach Garmisch-Partenkirchen. Eine alte Frau mit Dutt, im Stockwerk über uns, hat einen Farbfernseher. Olympiade 72 vom kurzflorigen Perser aus. Mark Spitz wird zum Helden erklärt. Ich bewundere ihn, wie empfohlen. Um der Schlesierin nicht lästig zu fallen, kaufen meine Eltern eine eigene Glotze. Als sie sie heimbringen und auf dem Eßtisch abstellen, streichle ich das Gerät. Die Plastik-Kühlrippen haben scharfe Grate. Die Schalter heißen Sensoren, eine Berührung genügt.
Selbst von unserer gartenanteiligen Erdgeschoßwohnung aus ist die Olympiaschanze am Eckbauer zu sehen. Bei der Vier-Schanzen-Tournee 73 schillert der Verlauf der eispolierten Exponentialkurve in der Sonne. Die Kandahar-Abfahrt im Hintergrund ist bereits blau. Im orangenen Vorhangschatten neben dem Panoramafenster steht die graue Glotze. Wir gucken die Direktübertragung an, bei der die Skispringer auf dem Schirm gut zwei Sekunden später erst in die Rinnen treten, beschleunigen, von der Rampe sich lösen, als ich es in der Wirklichkeit links daneben durchs Fenster verfolge. Hier rutschen die Skispringer im Flug hinter die jungen Bäume der benachbarten Anlage. Die Landung der Springer und einen harmlosen Sturz des DDRlers Rainer Schmidt sehen wir jedoch nur in der Glotze. Schmidt gewinnt die Tournee.