new filmkritik


Donnerstag, Februar 07, 2002
Wenn die Filmkritik hierzulande über den deutschen Film spricht gehts einem als läse man zeitgenössische Berichte über die Marine unter Wilhelm II. Der Film HEAVEN von Tom Tykwer ist dann ein tolles Schlachtschiff von dem aus Admiral Kosslik auf irgendeine Flotte schiessen soll. Auch wenn die Kanone auf dem Kahn zu dick ist und das schöne Schiff schwere Schlagseite hat. Und auf wen soll die Kanone schiessen?
Woran kann man erkennen ob zwei Darsteller in einem Film es wirklich ernst meinen? Was unterscheidet Steve McQueen und Ali McGraw in GETAWAY von Ribisi/Blanchett in HEAVEN? Fast alles. Das Buch natürlich: Schuld, das Verbrechen. Sex. Mexiko.
Bei Tykwer gibt es das nicht, wir begleiten eine Schicksalsgemeinschaft zweier Engel. Geschwisterliebe, Himmelfahrt. Kann der Zuschauer in den Augen Blanchetts erkennen ob sie Ribisi focussiert oder das Scheinwerferstativ rechts hinter seinem Ohr? Ist es ein Blick, der für die entscheidende zehntel Sekunde länger gehalten wird und das bedeutet dann was? Ist es der um ein paar Grad veränderte Winkel des Oberkörpers? Macht das einen Unterschied?
Bei HEAVEN ist alles ausschliesslich eine Sache des Glaubens. Wenn einem der fehlt produziert der zeremonielle Aufwand Schwulst. Ich habe die Liebe zwischen Ribisi und Blanchett nicht glauben können, sie für eine Behauptung, Berechnung, Verzweiflung, Drehbuch- oder Castingerfindung gehalten , für eine Spekulation, eine Wette die nicht aufgeht. Damit war der Film für mich verloren. Es blieben 3 Einstellungen, für die ich HEAVEN im Kopf behalte: Der Schlitz, der sich bei der Explosion des Aufzugs in die Leinwand reisst und die beiden Bilder am Ende: die Polizeiameisen, die auf den sich entfernenden Hubschrauber schiessen und dann der Blick von der Erde: der Hubschrauberquirl, der immer kleiner wird bis er ein Punkt ist und schliesslich im Blau des Himmels verschwindet.