new filmkritik


Samstag, November 10, 2001
Irgendwo steht bei Julie Burchill, in einem der frühen Texte, die noch Clara Drechsler
übersetzt hat, dass früher die Mädchen, die Stars werdenwollten und zum Film
drängten, unzählige Bewerbungscouches und Blow Jobs hinter sich bringen
mussten, aber dann, wenn sie oben waren, im Sternenhimmel, da mussten
sie das nicht mehr, nie mehr. Die heutigen Stars sind verheiratet mit den Regisseuren,
was heisst, dass sie weiter auf die Couch müssen, für immer.
Figuren wie Amelie sind wie Feen. Die haben keine eigene
Geschichte. Die kommen herbeigewünscht, ins Elend, in die Ausweglosigkeit
und entschwinden wieder. Erzählt wird immer die Geschichte der Wünschenden,
der Verzweifelten und die der Bösartigen und Ausbeuterischen.
In einer Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat.
Vielleicht hilft es heute nicht mehr, nicht einmal mehr in der Geschichten.
Aber ich denke, dass es auch keine Geschichten geben kann von Personen, die
sich nichts wünschen und nichts sind. Selbst der Pinocchio, der nichts ist,
wunschloses Holz, wird ja, im Märchen. Am Ende ein Mensch.
Der schönste Film und der härteste, der Deiner Idee am nächsten kommt, ist
Vivre sa Vie. Nichts ist die Nana. Kein Nachname. Ein Tauschwert. Aber aus
ihm brechen die Tränen und die Verhältnisse machen weiter. Der andere ist
WANDA. Auch Wanda ist nichts. Driftet. Und der Film ezählt, wie in diesem
Drift zwei Menschen, die gar nicht gut sind, eine Wölbung finden, unter der
sie sich einen Moment lang verbergen und leben können.
c.p. posted von l.b.